Mein Arbeitgeber wird mich zur verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) befördern.
Toller Job, mehr Abwechslung und Verantwortung. Aber leider auch mehr persönliche Haftung. Auch als Arbeitnehmer.
Lest hier, wo die größten Risiken sind, und wie man sich dafür korrekt versichern kann.
Was ist eine VEFK und was macht die?
Eine „verantwortliche Elektrofachkraft“ ist die Person, der vom Arbeitgeber Unternehmerpflichten im Bereich Elektrosicherheit übertragen werden. Sie sorgt dafür, dass elektrische Anlagen sicher betrieben werden.
Im Detail sind dies z. B. folgende Tätigkeiten
A. Es wird die Elektrosicherheit organisiert<
Eine der wichtigsten Pflichten der VEFK ist der Aufbau einer funktionierenden Sicherheitsorganisation (z. B. nach DGUV Vorschriften).
Wann wird das haftungsrelevant?
Wenn z.B. ein nicht ausreichend ausgebildeter oder ungeschulter Mitarbeiter Arbeiten an einer Schaltanlage durchführt weil „gerade in der Not keiner zuständig war“ und es dadurch zu einem Stromausfall kommt.
Dann ist das ein Organisationsverschulden der VEFK. Der Vorwurf ist das Auswahl- und Überwachungsverschulden Ein klassicher Delegationsfehler.
Der Schaden selbst wir ein Vermögenschaden sein. Es kann nicht gearbeitet werden da Maschinen und die EDV still steht.
Versicherbar über:
– Die Betriebshaftpflicht des Arbeitgebers. Diese deckt Schaden gegenüber Dritten ab. Kein persönlicher Schutzschirm!
– Achtung es ist darauf zu achten, dass auch reine Vermögenschäden, denen kein Sach- und Personenschaden vorausgegangen ist, in ausreichender Höhe versichert sind.
– Die private D&O Versicherung des VEFK. Diese wäre zuständig, wenn ein persönlichen Regreß des Haftpflichtversicherers angezeigt wird.
B. Es werden Gefährdungsbeurteilungen erstellt.
Die VEFK muss Risiken erkennen und bewerten (z. B. nach Arbeitsschutzgesetz).
Wann wird das haftungsrelevant?
Wenn zum Beispiel eine oder mehrere Maschinen umgebaut wurden und ein MItarbeiter bei Inbetriebnahme einen Stromschlag bekommt.
Wenn dann die elektrische Gefährung nicht neu bewertet und dokumentiert wurde, ist der VEFK im Vorwurf der unzureichenden Gefährdungsbeurteilung.
Der Schaden selbst ist ein Personenschaden.
Versicherbar über:
– Die Betriebshaftpflicht des Arbeitgebers. Diese deckt Schaden gegenüber Dritten ab. Kein persönlicher Schutzschirm!
– Die private D&O Versicherung des VEFK wenn Leitungsfunktion vorliegt
C. Elektrische Anlagen sollen jährlich überprüft werden. Es liegt ein Servicevertrag vor.
Eine VEFK organisiert die Prüfungen. Z.B. nach DIN VDE 0105-100 oder DGUV-Vorgaben.
Wann wird das haftungsrelevant?
Ortsveränderliche Geräte werden jahrelang nicht geprüft. Durch einen Defekt kommt es zu einem Kurzschluß und Brand.
Organisationsverschulden/Überwachungsverschulden. Sehr kritisch wenn behördliche Sicherheitsvorschriften nicht beachtet werden.
Versicherbar über:
– Die Betriebshaftpflicht des Arbeitgebers. Diese deckt Schaden gegenüber Dritten ab. Kein persönlicher Schutzschirm!
– Die private D&O Versicherung des VEFK kann den persönlichen Regreß abdecken
– Strafrechtliche Folgen sind nicht versicherbar. Was versicherbar ist, ist die Verteidigung über eine private Spezial Strafrechtschutzversicherung
D. Arbeiten ohne sichere Freischaltung (5 Sicherheitsregeln)
Die VEFK muss dafür Sorgen dass Anlagen korrekt spannungsfrei laufen.
Wann wird das haftungsrelevant?
Wenn gegen elementare Sicherheitsregeln verstoßen wird, sind wir im Bereich der groben Fahrlässigkeit.
Versicherungsoptionen:
– Die Betriebshaftpflicht des AG zahlt zunächst. Alledings ensteht ein hohes Regressrisiko gegen dich. Kein persönlicher Schutzschirm!
– Viele D&O Versicherungen schließen grobe Fahrlässigkeit teilweise ein, aber nicht immer vollständig
– Strafrechtliche Folgen sind nicht versicherbar. Was versicherbar ist, ist die Verteidigung über eine private Spezial Strafrechtschutzversicherung
E. Dokumentation der geleisteten Arbeiten
Die VEFK hat eine umfassende Dokumentationspflicht für alle Aufgabenbereiche auch Fremdfirmenkoordination
Wann wird das haftungsrelevant?
Mitarbeiter oder Fremdfirmen wurden eingewiesen aber dies nicht dokumentiert. Daraufhin entsteht ein Schaden.
Nach einem Unfall wurde keine Beweise gesichert oder Belege aufbewahrt.
Auch hier liegt ein Koordinationsverschulden oder zumindest eine Pflichtverletzung vor
Versicherungsoptionen:
– Die Betriebshaftpflicht des Arbeitgebers. Diese deckt Schaden gegenüber Dritten ab. Kein persönlicher Schutzschirm!
– Die private D&O Versicherung des VEFK kann den persönlichen Regreß abdecken. Aber keine grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz.
Fazit:
Die Haftung einer verantwortliche Elektrofachkraft entsteht meist wenn:
1. Irgendein Vorgang nicht organisiert wurde. Denn du planst Sicherheit für andere!
2. Der Vorgang nicht geprüft wurde. Denn du überwachst Sicherheit für andere!
3. Der Vorgang nicht dokumentiert wurde. Denn du musst Sicherheit nachweisen!
Prüfe zuerst
1. Deine Bestellung zum VEFK und den Umfang deiner Verantwortung
2. Lass dir eine klare Organisations und Delegationsstruktur geben
3. Welche Risiken deckt die aktuelle Betriebshaftpflichtversicherung ab. Versicherungslage schriftlich bestätigen lassen.
4. Besteht eventuell bereits eine betriebliche D&O-Versicherung welche dich einschließt?
5.. Dokumentationsvorlagen und Vorgehen zusammen festlegen
Was würde ein ergänzender privater Versicherungsschutz kosten?
Indikation für eine private D&O (Directors and Officers Liability) Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
Die versicherte Tätigkeit der verantwortlichen Elektrofachkraft wird sich so nicht als versicherbares Risiko in den Anträgen der Versicherungen finden.
Die Tätigkeit entspricht aber der eines Arbeitschutzbeautragten bzw. einem Sicherheitsbeauftragten. Wir empfehlen eine Tätigkeitsbeschreibung aus dem Arbeits- oder Angestelltenvertrag zu Prüfung durch den Versicherer bei Antragsstellung einzureichen.
Die Versicherungsprämie bemisst sich hauptsächlich aufgrund von zwei Faktoren.
– Der Versicherungssumme welche die Maximalleistung des Versicherers darstellt und wie oft diese im Jahr zur Verfügung steht
– Dem Jahresumsatz des Umternehmens für das du tätig bist.
Beispiel der Markel im Tarif „Pro-persönliche D&O VEMA Deckung“ Stand 05.2026
100.000 € Versicherungsssumme, 2-fach maximiert und 10 Millionen Jahresumsatz = Bruttobeitrag im Jahr = 518,84 €
250.000 € Versicherungsssumme, 2-fach maximiert und 25 Millionen Jahresumsatz = Bruttobeitrag im Jahr = 668,78 €
Indikation persönlicher privater Spezial-Strafrechtschutz
Ein privater Spezial-Strafrechtschutz lässt sich bei den meisten Anbietern nicht allein absichern.
In den meisten Fällen muss dieser zumindest mit einem Privatrechtschutz kombiniert werden.
Die Kosten für den privater Spezial-Strafrechtschutz liegen je nach Anbieter im Bereich von 55 € bis 90 € / Jahr
Rufen Sie mich an oder beschreiben Sie mir Ihre Situation.
Wir finden für Sie den idealen Versicherungsschutz zu günstigen Konditionen.
Beste Grüße
Günter Pitzer
Geschäftsführer